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28.02. Über die Hospizarbeit zu Zeiten der Pandemie

Bericht in der Tageszeitung „Der Patriot“ von Carolin Cegelski – Redaktion

Die Corona-Pandemie erschwert die Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und ihrer Angehörigen. Der Hospizkreis Lippstadt bietet unter anderem ein Telefonangebot für trauernde Angehörige an. 

Corona hat eine andere Normalität geschaffen. Das Virus und seine Auswirkungen schränken nicht nur das Leben ein. Auch das Sterben ist oft einsam. Die Begleitung Schwerstkranker, Sterbender und ihrer trauernden Angehörigen ist für die Ehrenamtlichen des Lippstädter Hospizkreises eine Herausforderung. Nähe und Begegnung sind schließlich nur eingeschränkt möglich.

Die Corona-Pandemie erschwert die Begleitung Schwerstkranker und ihrer Angehörigen. „Der Bedarf ist da“, sagt Mechthild Fillinger, Vorsitzende des Lippstädter Hospizkreises. Trotzdem seien die Menschen verunsichert, Begegnungen und Kommunikation schwierig: „Es gibt eine deutliche Zurückhaltung“, berichtet Hospizfachkraft Wiegbert Lummer. 38 Sterbende haben die Ehrenamtlichen 2020 begleitet. 2019 waren es 50. Während aus Krankenhäusern und von Pflegediensten nach anfänglicher Zurückhaltung und dem ersten Lockdown nach und nach wieder Anfragen gekommen seien, gebe es aus dem häuslichen Bereich gar keine Nachfrage – lediglich einen Hausbesuch liste die Statistik des Hospizkreises. „Es ist sehr bedrückend“, sagt Mechthild Fillinger.

Dabei wissen die Verantwortlichen: Nicht nur für Sterbende, auch für Angehörige ist es schwer, auf sich allein gestellt zu sein und die Trauer um einen geliebten Menschen zu verarbeiten. „Teilweise konnten sie in der Todesstunde des Angehörigen nicht dabei sein“, schildert Fillinger. „Das hängt vielen so sehr nach, dass sie nicht damit fertig werden können“, berichtet sie. Zum einen sei es schwer zu realisieren, dass der Verstorbene nicht mehr da ist. Zum anderen seien da die Schuldgefühle, in der schweren Stunde nicht für den Angehörigen da gewesen zu sein – „auch wenn man es versprochen hat“, sagt die Vorsitzende. „Das ist eine Belastung, die Trauernde so schnell nicht wieder loswerden.“

Auch das Abschiednehmen bei der Beerdigung unter Corona-Bedingungen sei schwer: „Die Gemeinschaft ist zur Unterstützung wichtig“, weiß Fillinger. Doch das gemeinsame Zusammensitzen, das Erinnern, sei so nicht möglich. „So etwas alleine mit sich auszumachen, ist heftig.“

Aus diesem Grund hat sich das Team dazu entschlossen, Trauerbegleitung am Telefon zu ermöglichen. Ein Gespräch könne dabei helfen, mit der Belastung durch den Verlust umzugehen. Das Angebot werde angenommen. In dringenden Fällen sei es möglich, sich auch zu einem Einzelgespräch zu treffen. Denn, das wissen die Verantwortlichen des Hospizkreises: Online-Angebote funktionieren für die Vorstands- aber nicht für die Trauerarbeit, wo Körpersprache gelesen und Emotionen aufgefangen werden müssen. Zudem seien die technischen Anforderungen für die Zielgruppe eine Hürde. Derzeit denke das Team deshalb auch darüber nach, Spaziergänge für Trauernde anzubieten: „Wir haben es ins Auge gefasst“, sagt Fillinger.

Schade finden die Verantwortlichen auch, dass ein Angebot für junge Erwachsene, das in Kooperation mit den Lippstädter Kirchengemeinden angeboten wird, ob der Corona-Pandemie auf der Strecke geblieben ist. Erst im Januar vergangenen Jahres sei der „Treff im Hahn“ ins Leben gerufen worden: „Es war eine kleine Gruppe, aber die Gespräche waren sehr intensiv und persönlich“, sagt Fillinger. Im März musste das Angebot – „in lockerem Rahmen“, so Lummer – aufgrund der Pandemie wieder „eingestampft“ werden. Dabei sei auch hier der Bedarf nach einem solchen Angebot groß: „Vom Abschiednehmen sind auch Jugendliche betroffen.“

Immerhin: Eines erleichtert die Arbeit der ehrenamtlichen Sterbebegleiter: die Impfung. Die Ehrenamtlichen haben bereits einen Impftermin, berichtet Wiegbert Lummer. Die Impfung biete neben Abstands- und Hygieneregeln etwas Sicherheit bei der Begleitung Sterbender und trauernder Angehöriger.

1. Vorsitzende Mechthild Fillinger (links), Koordinatoren Wiegbert Lummer und Beate Otten / Foto: Carolin Cegelski – Der Patriot

Koordinatorin Beate Otten verstärkt seit Januar das Team des Hospizkreises Lippstadt als Hospizfachkraft. Die 55-jährige Lippstädterin ist zusammen mit Wiegbert Lummer Ansprechpartnerin. „Der Job hat mich zufällig angeflogen“, sagt sie. Nach einem „langen und intensiven Telefonat“ mit ihrem neuen Kollegen weiß sie: Es ist eine sehr sinnvolle Aufgabe. Zurzeit leistet Beate Otten vor allem viel Telefonarbeit: Schließlich war es noch nicht möglich, die Ehrenamtlichen persönlich kennenzulernen. „Das ist besonders schade.“ Deshalb hoffen Lummer und Otten die Ehrenamtlichen – sobald möglich – zu persönlichen Gesprächen einladen zu können.

Das Team des Hospizkreises wartet darauf, dass es wieder losgeht: Im September soll (wenn möglich) ein neuer Befähigungskurs Sterbebegleitung starten. Für den Kursus (der eigentlich im April starten sollte; maximal 14 Teilnehmer) sind noch einige Plätze frei. Ein Vorgespräch ist nötig. Weitere Informationen zu der 100-stündigen Ausbildung erteilt der Hospizkreis Lippstadt, Tel. (0 29 41) 65 88 66.

Veranstaltungen liegen aufgrund der Corona-Pandemie derzeit auf Eis: „Vorsichtige Planungen“ laufen beim Hospizkreis Lippstadt dennoch, berichtet Vorsitzende Mechthild Fillinger. So soll im Oktober eine Lesung mit Autor David Wagner („Der vergessliche Riese“) stattfinden. „Wir hoffen es zumindest.“

Für Trauerbegleitung am Telefon und Sterbebegleitung ist das Team des Hospizkreises stets ansprechbar. Interessierte, die über ihre Trauer sprechen möchten, können telefonisch Kontakt aufnehmen. Möglich ist es täglich (auch samstags und sonntags) unter der Telefonnummer (0 29 41) 65 88 66.